Henrike Naumann: “Extremismus ist etwas, das jedem von uns supernah ist”

Henrike Naumann wurde 1984 in Zwickau geboren. In ihren Arbeiten thematisiert sie häufig rechtsextreme Subkulturen. Ihre Installation Triangular Stories über das NSU-Trio machte sie international bekannt. Heute lebt die Künstlerin in Berlin.

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Ihre neue Arbeit “Das Reich” ist derzeit im Rahmen des Gorki-Herbstsalons in Berlin zu sehen und beschäftigt sich mit den Reichsbürgern, einer wachsenden Szene von Menschen, die glauben, dass das Deutsche Reich fortbesteht, aber von alliierten Truppen besetzt ist. Die Bundesrepublik Deutschland ist für sie nur ein Unternehmen. Laut Verfassungsschutz zählt die nur lose miteinander verbundene Bewegung etwa 10.000 Menschen.

Viele von ihnen besitzen Waffen, weigern sich, Steuern zu zahlen und erklären sich zu Führern unabhängiger Staaten, die häufig aus ihren Privatgrundstücken bestehen. Sie erkennen die Autorität staatlicher Behörden nicht an. Nachdem ein Reichsbürger aus der Nähe von Nürnberg vergangenes Jahr einen Polizisten erschoss, rückte die Szene in den Fokus von Medien und Politik.

“Das Reich” ist noch bis zum 26. November im Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3 in Berlin, zu sehen.
VN: Was sind Ihre Erinnerungen an das Zwickau der 90er-Jahre?

HN: Ich verstand die politische Bedeutung der Wende nicht, aber ich sah die ästhetischen Veränderungen. Vor allem die Möbel. Alle Menschen in Ostdeutschland schienen zu denken: “Wir sind jetzt Teil der westlichen Welt, alles muss neu sein”. Sie schmissen ihre Möbel raus und kauften stattdessen diese postmodernen Kopien von Design aus Holzimitat. Für mich kam der Westen vor allem erstmal in Form von billigen Möbeln in meine Welt.

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VN: Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Thema Rechtsextremismus in Berührung gekommen?

HN: Zur Konfirmation bekamen alle meine männlichen Freunde eine Bomberjacke geschenkt. Sie hatten sich das gewünscht. Das war für mich ein Wendepunkt, zu sehen, wie alle in der Kirche unseres Dorfes saßen, mit ihren Kerzen und Bomberjacken. Als ich dann in Zwickau aufs Gymnasium ging, weitete sich mein Horizont. Ich lernte viele anders politisch Gesinnte, Linke, kenne. Aber ich hatte immer noch einen sehr starken Bezug zu meinen Freunden aus dem Dorf, weil ich mich im Jugendclub der Kirche engagierte. Wir machten Filmabende oder Diskussionsrunden. Aber an den Wochenenden kamen andere, ältere Leute mit Bier und Landser-Musik bei Fußballspielen vorbei. Ich begann zu verstehen, dass die sehr daran interessiert waren, die Jüngeren vor Ort zu beeinflussen. Sie haben rekrutiert.

VN: Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden, dass es sich um Nazis handelt?

HN: Mein Vater war der Pfarrer des Dorfes. Er engagierte sich auch im Jugendclub, daher hatten wir viele Diskussionen darüber. Die Idee der Kirche und auch vieler Sozialarbeiter zu dieser Zeit war es, zu helfen. Sie versuchten es mit Akzeptierender Sozialarbeit, was bedeutete, dass sie versuchten, Menschen so zu akzeptieren, wie sie waren. Rückblickend muss man sagen, dass es Rechtsradikale eher bestätigt hat. Auch der spätere NSU traf sich in einem Jugendclub in Jena-Winzerla, der mit diesem Konzept arbeitete. Sozialarbeiter wollten oder sollten damals schlicht keine Jugendlichen wegschicken. Heute halten das viele für einen Fehler.

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VN: Wie recherchieren Sie für Ihre Arbeiten?

HN: Ich versuche, alles über das Thema zu lesen und suche nach Videos, die Reichsbürger selbst bei Youtube veröffentlichen. Ich sehe Dokumentarfilme und folge ihnen auf Facebook, um in ihre Wohnungen zu sehen. Mich interessiert sehr, wie sich ihre Weltanschauung in ihrem Lebensumfeld widerspiegelt. Reichsbürger sprechen oft davon, dass sie sich gefesselt fühlen, weil sie Steuern an diesen “falschen” Staat zahlen müssen. Deswegen habe ich in der Installation viel mit Ketten gearbeitet, habe zum Beispiel Stühle in Ketten gelegt. Die Arbeit steht auch sehr im Dialog mit dem Raum, in dem sie gezeigt wird: dem Einheitssaal im Kronprinzenpalais, in dem 1990 der Einheitsvertrag zwischen BRD und der DDR unterzeichnet worden ist. Die Reichsbürger haben ein Problem mit diesem Vertrag, sie sagen, er sei unrechtmäßig, denn im Grundgesetz von 1949 hieß es, dieses sei nur eine vorläufige Verfassung, befristet bis das deutsche Volk wieder vereint sein und seine eigene Verfassung schreiben wird. Das ist aber nicht geschehen, deshalb sagen Reichsbürger: “Ok, rechtlich gesehen ist Deutschland kein echter Staat, der letzte wirkliche Staat war das Deutsche Reich”. In diesem geschichtsträchtigen Raum habe ich aus Schrankwänden die prähistorische Kultstätte Stonehenge nachgestellt. Sie repräsentieren zum einen die Reichsgründungen im eigenen Heim, wo sich ein Reichsbürger hinstellt und verkündet: “Ich bin jetzt Reichskanzler und mein Wohnzimmer ist jetzt ein Regierungssitz”. Es entsteht zum anderen dadurch diese merkwürdige Atmosphäre eines Kultplatzes, eines germanischen spirituellen Heilplatzes, als wanderte man durch eine archäologische Stätte.

VN: Warum haben die Reichsbürger eine Schwäche für Stonehenge?

HN: Ihre Weltanschauung ist sehr eklektisch, es sind Leute dabei, die super volkstümliche rechtsextreme Rassisten sind, andere lehnen sich mehr an die Esoterik an. Der harte Kern, der sie vereint, ist die Idee der Volksideologie. Aber die Oberfläche ist bei allen ein bisschen anders, manchmal wirken sie nicht wirklich gefährlich, oder sogar ein bisschen lustig wie der Neo-Druide mit Stock und langem Bart, der auch zur Reichsbürgerszene gehört. Dieser Typ, Burghard Bangert, hat in Süddeutschland, wo er lebt, ein Stonehenge neben einen christlichen Friedhof gebaut. Er will zurück in die vorchristliche Zeit, zu den arischen oder germanischen Wurzeln der Deutschen. In den letzten 6 Monaten, habe ich versucht, das rational zu verstehen, bin aber immer gescheitert. Dann wurde mir klar, dass es vielleicht mit Vernunft nicht zu erklären ist, denn es geht um Gefühle. Reichsbürger denken, es gibt eine Verschwörung gegen das deutsche Volk und gegen sie persönlich und dass sie deshalb unglücklich sind. Diese Emotionalität macht die Fakten für sie gefügig. Alle Widersprüche spielen keine Rolle mehr, weil es sich richtig anfühlt. Alle persönlichen Kämpfe im Leben ergeben dann einen Sinn.

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VN: Warum denken Sie, sind diese Leute an einem Punkt angekommen, wo sie in Verschwörungstheorien aufgehen?

HN: Es gibt viele Menschen, die versuchen, die persönliche Tragödie oder das Trauma ihres Lebens in eine größere Perspektive zu rücken. Statt zu sagen “Ich habe es versaut”, oder “Die haben es versaut”, empfinden sie, dass ihr Dasein dadurch unterdrückt wird, dass sie ein Teil dieser Gesellschaft sein müssen. Sie sind sehr verletzlich, wenn man ihnen das sagt. Und das Interessante ist, dass ich absolut verstehe, wenn Leute sagen, dass etwas schief läuft. Das Problem ist, dass es keine Einigkeit, keinen Narrativ darüber gibt, was die Gründe sein könnten in Bezug auf die kapitalistische Gesellschaft und wo das System tatsächlich unfair gegenüber vielen Menschen ist. In der Weltanschauung der Reichsbürger würden Menschen unterschiedlicher Ethnizität erschossen. Es ist keine gute Zukunft, an die man glauben kann. Wir sollten uns engagieren, eine Zukunft, an die wir glauben wollen, zu formulieren.

VN: In vergangenen Werken thematisierten Sie häufig, wie ähnlich sich das Leben bestimmter Gruppen junger Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal war, unabhängig davon, ob sie rechtsradikal waren oder nicht. Und wenn man in Ihre aktuelle Installation tritt, fühlt man sich tatsächlich wie im Wohnzimmer von jemandem, den man kennt.

HN: Dieses Gefühl entsteht durch die alltäglichen Objekte, mit denen ich arbeite. Man kennt sie und plötzlich ist das alles nicht mehr so weit weg von der Welt, in der ich vielleicht sonst lebe. Es ist etwas, das jedem von uns supernah ist, und das ist der Effekt, den ich erreichen will. Es gibt auch eine sehr schöne Verbindung zur Arbeit von Tobias Zielony hier in der Ausstellung, weil er diese tolle Dokumentation einer Jugend in den 90er-Jahren zeigt. Er hat die Fotos vorher nicht benutzt, jetzt hat er sie wiederentdeckt und sie sind sehr kleine Momentaufnahmen einer Zeit, wo alles noch nicht entschieden ist. Wenn man diese Bilder sieht, weiß man nicht: Ist es Ost- oder Westdeutschland? Was ist die Geschichte? Man fragt sich: Wo sind diese Menschen heute? Sie könnten überall sein.

Reise an den Rand der Niederlage

Ein Trommelmarsch hallt durch die noch leicht morgendusseligen Straßen von Auerstedt. Etwa 20 voll bepackte und leicht beleibte Soldaten in blau-weißen Uniformen, Gewehre auf den Schultern, die Mützen leicht schräg auf dem Kopf, stampfen bergan, über die Bahntrasse, Richtung Feld. Einige Schaulustige kommen aus ihren Häusern und zücken ihre Smartphones. “Sie kommen!”, ruft jemand.

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Wenig später folgt eine kleinere Gruppe Soldaten in leicht verdreckten, weißen Uniformen. Sie haben keine Trommeln, aber zwei Hunde dabei. Es sind sächsische Soldaten. Sie schließen sich dem Marsch der Franzosen und Schaulustigen an, der sich in Richtung Schlachtfeld schlängelt, begleitet von den Trommelschlägen und dem entfernten Muhen der Kühe.

An der Emsmühle in Auerstedt fand heute vor ziemlich genau 211 Jahren eine der Schlachten statt, die Niederlage der deutschen Truppen gegen Napoleon besiegelte. Rund 70 Menschen, fast ausschließlich Männer, haben sich vergangenes Wochenende getroffen, um sie so originalgetreu wie möglich nachzustellen. Die Darstellung ist Teil der Feier zum 1175-jährigen Bestehens Auerstedts.

Vom Rand des Schlachtfeldes kann man nun zwischen dem dumpfen Knallen der Gewehre den Schreines Offizieres hören: “Nicht soweit auseinander! Die Rotten eng zusammenbleiben!”, treibt er seine Truppe zusammen. Jemand aus dem Publikum kommentiert: “Ah! Eine Fehlzündung.”

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Neben mir steht eine Frau und erklärt: “Hier stehen die Linien der Preußen. Sehen Sie die Schützen vorne? Das sind immer zwei, die sich abwechseln. Der eine schießt, während der andere hintergeht und lädt.” Ein älterer Mann in einer prächtigen Uniform sagt: “Die Offiziere haben ja meistens nicht wirklich mitgekämpft. Die haben nur Befehle gegeben. Deshalb hatten die auch keine Säbel, sondern nur Degen.”

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“Also die Weißen sind die Sachsen?”, will ein kleiner Junge von ihm wissen. “Ja. Bei den Preußen war der Grundton der Uniformen blau. Es gab also zig Regimenter und alle hatten bissl andere Hosen und so, aber der Grundton war blau.”

Dann zieht er seinen glänzenden Degen und zeigt ihn dem Jungen und dessen Freund: “Das hier ist ein echter Degen. Der ist 220 Jahre alt, also von 1800 ungefähr.” – “Alter!”, ruft der Junge erstaunt.

Ein Fernsehteam kommt und filmt die Szene, bittet den alten Offizier mit dem Degen und die Jungen nochmal kurz für die Kamera zu posieren. “Aber nicht stechen”, scherzt der Offizier in Richtung der Jungs. Dann erklärt er feierlich: “Ich bin der Generalfeldmarschall Carl Wilhelm Ferdinand Herzog von Braunschweig. Damals der Oberkommandierende der preußischen Hauptarmee.”

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Ein Mann neben ihm fragt: “Sind Sie nicht in dieser Schlacht gestorben?” Der Herzog seufzt ein wenig und erzählt, wie und wann genau er zu Tode kam: “Bei Hassenhausen um 10.20 Uhr durch eine Musketenkugel tödlich verwundet. Durch die rechte Schläfe, durch beide Augen, blieb dann in der Wange stecken. Kam durch eine abenteuerliche Flucht nach Ottensen, eine dänische Enklave bei Hamburg, und starb dort drei Wochen später.” In sein eigenes Herzogtum Braunschweig hatte er nicht zurückkehren können, das war inzwischen von den Franzosen besetzt worden.

Im echten Leben ist der Herzog Rentner und heißt Werner Meister. Früher war er Geschichtslehrer. Seit mehr als 20 Jahren ist er Teil dieser Szene von Menschen, deren Hobby es ist, die großen Napoleonischen Kriege nachzustellen.

“Und war Napoleon auch hier?”, fragt ihn nun eine Frau aus dem Publikum, das sich am Rande des Schlachtfeldes um ihn herum drängt. “Nein”, sagt der tödlich verwundete Herzog. Napoleon war in Jena, aber nie in Auerstedt. Dann erklärt er, was genau sich hier vor 211 Jahren zugetragen hat. Als die Preußen bei Hassenhausen von den Franzosen besiegt worden waren, dem Herzog also schon eine Musketenkugel in der Backe steckte, versuchten sich seine Truppen nach Auerstedt zurückzuziehen. Die französischen Truppen verfolgten sie.

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Es kam zu drei Rückzugsgefechten und eines davon war hier an der Emsmühle. Die 27.000 Franzosen gewannen die Schlacht gegen 50.000 Preußen. “Hier auf dem Hügel standen Weimarer Schützen und sächsische Jäger. Die Jäger hatten grüne Uniformen an. Das waren meist Förstersöhne, die auf eine Anstellung als Förster hofften. Und um die Zeit zu überbrücken, dienten sie im preußischen Heere. Die hatten ihre eigenen Gewehre mit, das waren hochwertige Waffen, schon mit Doppellauf, und die konnten auch sehr gut zielen.”

“Also wer sind jetzt nochmal die Männer in den weißen Uniformen?”, fragt eine Zuschauerin.

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Ein anderer Rentner, der den Schaulustigen lang an vorderster Front von den wichtigsten Kriegen des 19.Jahrhunderts berichtete, sitzt heute abseits der Schlacht im Biwak und kocht Gulaschsuppe.

Robert Heyne ist 66 Jahre alt. Er hat einen weißen Vollbart und den leicht verhauenen Gang eines Mannes, der sein ganzes Leben lang mit den Händen gearbeitet hat. Seine Leidenschaft für die Napoleonischen Kriege entdeckte er im Alter von zwölf Jahren. Damals gab ihm ein Bauer eine echte Kanonenkugel, die er in seiner Scheune gefunden hatte. Sie war etwa faustgroß.

Seither sucht Heyne die Felder Thüringens nach Spuren der Schlachten ab, sammelt, recherchiert, archiviert. Ein Teil seines Wohnhauses ist heute ein Privatmuseum, das laut Heyne jährlich von bis zu Tausend Menschen besucht wird. Er macht auch Führungen für Schulklassen durch seine Sammlung von Waffen, Schlachtplänen, Uniformen, originalen Flugblättern. Längst beschäftigt er sich nicht mehr nur mit dem Krieg, sondern auch Alltagsgegenständen aus dem 19. Jahrhundert, von Spielzeug bis Musikinstrumenten.

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Heyne lebt in Neuengönna, einem malerischen kleinen Dorf bei Jena, mit Gassen aus Kopfsteinpflaster, über die winzige Katzen huschen und die Leute noch Hallo zu Fremden sagen.

Es ist die Leidenschaft für die Geschichte der Region, nicht Kriegsbegeisterung, die ihn antreibt, sagt er. Oft wird er gefragt, wie viel Geld er in die Sammlung und die Schlachtnachstellungen gesteckt hat. “Keine Ahnung. Wirklich nicht. Wie soll man das in Geld messen?”, sagt er und streckt die Arme aus, “der Wert der Geschichte – das kann man nicht in Geld angeben!”

Irgendwann begann er, nicht mehr wahllos zu sammeln, sondern sich auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren. Er begann Schlachtnachstellungen zu organisieren, in originalgetreu nachgeschneiderten Uniformen, die rund 2500 Euro kosteten, das Schicksal seiner Vorfahren nachzuempfinden. Auch sein Sohn und seine Ehefrau steckte er mit seinem Hobby an. Nun zieht er sich etwas zurück aus dem Organisatorischen. “Jüngere müssen nun das Ruder übernehmen”, sagt er mit dem ewigen Schmunzeln, das sein Gesicht rahmt, “ich bin doch schon ein alter Mann.” Und so bleibt er dieses Jahr im Biwak und kocht Suppe für die Truppen.

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Die Soldaten, die sich in der Zwischenzeit mehr als zwei Stunden lang unerbittlich und doch uniformschonend auf dem Auerstedter Feld niedergemetztelt haben, folgen nun den Zuschauern, den etwas langweilig geworden ist, zurück in die Stadt. Dort gibt es erstmal Bratwurst und Bier.

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In einem Biergarten steht neben einer Jahrmarktsbude mit Plüschtieren und CDs von Metallica bis Dudelsackhymnen ein Mann in einer französischen Grenadieruniform und bestellt “ein Rradlér bitté.” Die Bedienung guckt ihn leicht amüsiert an. Er bedankt sich mit “Merci, Madame” und setzt sich neben einen Mann, der anhand seiner Uniform sein Vorgesetzter sein müsste, es ist ein “Capitaine” und seine “femme”. Die femme trägt einen eleganten weißen Umhang, der fast bis zum Boden reicht, und raucht Marlboro. Die drei genießen ihre Getränke, grüßen zum Vergnügen der Passanten ausladend, und posieren für zahllose Erinnerungsfotos.

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Am Bahnhof treffe ich auf eine Gruppe sächsischer Soldaten. Ihre Waffen haben sie aufgestellt wie das Gerüst eines Indianerzeltes. Die Waffen und das Schießpulver sind echt, erklärt mir einer der Soldaten, ein älterer Herr. Sie lassen nur die Kugeln weg bei den Schlachten. Sie treffen sich regelmäßig, um für die Schlachtdarstellungen zu trainieren. “Einmal aus Sicherheitsgründen. Und dann wollen wir ja den Zuschauern auch eine schöne Show bieten!”, sagt er. Auch er ist bereits seit rund 15 Jahren dabei, nahm an Darstellungen in ganz Europa teil. Dann bietet er mir einen Zinnbecher voll Wein an, der “aus Authentizitätsgründen” leicht verschmutzt wirkt. “Heute Abend wollen wir noch Spaß haben. Dafür sind wir schließlich gekommen!”, ruft er. Die sächsischen Soldaten heben ihre Becher und rufen dreimal “Es lebe der Kurfürst!”, dann trinken sie.  “Or, das ist ja ein scheiß Wein”, sagt einer von ihnen. “Wir haben auch noch diesen Nusslikör von den Russen. Der muss auch mal noch mit alle werden”, antwortet einer seiner Kameraden und lacht, dann mischen sich die Soldaten unter die Festgesellschaft. 1175 jahre Auerstedt. Geschichte kann so gnädig sein.

Welcome to Hell protest

Un grup de oameni îmbrăcați în negru, cu fețele acoperite de cagule și ochelari de soare, trec pe malul Elbei din Hamburg, iar lumea se oprește și cască gura la ei. “Ăștia sunt The Black Bloc, cei care o să arunce cu sticle și cărămizi mai târziu”, spune Patrick, un tip care lucrează în asigurări și care e în trecere prin zonă. Are zi liberă de la serviciu, ca mulți hamburghezi, pentru că străzile sunt blocate, unele autobuze nu mai circulă și 20.000 de polițiști aduși de peste tot din Germania sunt răspândiți prin oraș.

În St. Pauli Fischmarkt din Hamburg s-au adunat joia trecută zeci de mii de oameni să protesteze împotriva summit-ului G20, la care s-au întâlnit liderii celor mai puternice națiuni, printre care Putin, Trump și Erdogan, să discute chestiuni de economie, colaborare, încălzire globală. Unii protestatari sunt revoltați că autoritățile au cheltuit milioane de euro ca să-l aducă pe unul ca Trump, care nici măcar nu crede în încălzirea globală, într-unul dintre cele mai liberale orașe europene. Alții consideră capitalismul răul cel mai rău și vor să-l înlocuiască cu comunismul. Un alt fel de comunism, spune Robert, un american care a locuit în România în anii ‘70 și a studiat cultura și istoria URSS-ului, unul ca-n “Imagine” a lui John Lennon. Pentru ei, singura soluție este revoluția și asta trebuie să înceapă în stradă.

Până să pornească marșul, diverse formații cântă pe scena instalată în mulțime și activiști ruși, mexicani și americani țin discursuri de mobilizare. Dacă n-ar fi pancartele cu “Capitalism Kills”, “G20 – not fucking welcome” și elicopterele care survolează non-stop, ai zice că e doar un alt festival de muzică. Un activist american urcă pe scenă și proclamă pe un ton dramatic, de pastor: “We may yet show that our species can survive this dark night of capitalism and oppression! Oh, the hour is late! To the leaders of the G20 and the police who serve them mindlessly selling their obedience, I can say nothing but this: Welcome to hell, motherfuckers!”

Black Bloc-ul se așază în formație în fruntea mulțimii, când aceasta se pune în mișcare și strigă “Anti-anti-anticapitalista!”, dar polițiștii nu le dau voie să înainteze. După câteva anunțuri la portavoce care anunță trecătorii să se îndepărteze pentru siguranța lor, poliția intră în protestatari și-i răsfiră cu tunuri de apă, gaze lacrimogene și câte-un pulan sau bocanc pe spinare. Protestatarii ripostează cu sticle, pietre și huiduieli. Preț de vreo oră se duc lupte între manifestanți și forțele de ordine în diferite zone ale pieței, pe fundalul unui rave sau tehno care răsună constant din niște boxe.

În cele din urmă, polițiștii s-au retras și mulțimea a fost liberă să mărșăluiască, dar protestul, care s-a lăsat cu alte bătăi, mașini arse și magazine vandalizate, a continuat până a doua zi dimineață.

Marșul vieții

“Am ucis”, ne-au mărturisit mai mulți participanți la marșul anti-avort.

Sunt femei care și-au riscat viața în timpul comunismului ca să facă ilegal întrerupere de sarcină, apoi au fost măcinate de vinovăție și acum au ajuns să militeze pentru un nou decret.

Decretul comuniștilor “coincidea cu voia lui Dumnezeu și cu purtarea sa de grijă”, a spus Arhiepiscopul Teodosie Tomitanul.

Înalt Prea Sfințitul a explicat, într-un discurs pe treptele Arhiepiscopiei, că experimentul cu democrația a eșuat. Societatea modernă ne transformă în consumatori care nu mai trăiesc cu adevărat.

“Noi nu am știut să chivernisim libertatea.”

Soluția ar fi revenirea la un stat paternalist care să vegheze la respectarea valorilor morale. “Biserica trebuie să fie în fruntea societății.”

Sunt mulți români care cred că ne îndreptăm spre “o împărăție a morții”, dominată de tehnologie și dezmăț. “Avortul grăbește sfârșitul lumii; Dumnezeu nu ne mai rabdă.”

Alții se crucesc când văd că oamenii manifestează ca să interzică chestii: “Dacă eu nu vreau, ce, mă obligă cineva?”

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Reporteri:

Roșiorii de Vede: Valentina Nicolae
Constanța: Vlad Ursulean
București: Ruxandra Pătrașcu, Matei M. Bărbulescu
Ploiești: Venera Dimulescu
Rm. Vâlcea: Oana Moisil
Chișinău: Victoria Colesnic
Deva: Andrada Lăutaru

https://www.facebook.com/casa.jurnalistului/videos/1456649114406413/

Operațiunea Poarta

De când ne-am mutat pe Viitorului, yala de la poartă s-a stricat mai des decât orice alt obiect din casă*. Am schimbat-o de vreo șase ori cu gioarse din Obor sau scumpeturi de la magazinul de scule. Diverși băieți au pus, de-a lungul timpului, mâna pe șurubelniță și bormașină și și-au încercat norocul la repararea porții. Nimic n-a funcționat deocamdată.

Aici sunt Vlad, Venera și Liana, încercând să încuie, ca să meargă la o petrecere.

*dacă nu punem la socoteală chiuveta din bucătărie

Oamenii trăiesc diferit

Șerban Marinescu e un arhitect care a denunțat un primar șpăgar și l-a băgat la pușcărie.

Isprava asta l-a impulsionat să intre-n politică, iar acum candidează pe lista Uniunea Salvați România în polul sărăciei, Teleorman.

“Noi nu credem că problema cea mai mare e sărăcia. Sărăcia e o cauză. Ea poate fi combătută, dar în primul rând ar trebui să ne oprim, să nu mai furăm”, spune arhitectul.

L-am urmărit câteva zile prin birturi și piețe, cum încerca să convingă amărâții să nu se milogească la hoți, ci să-i trimită la pușcărie și să făurească o lume nouă. Bucureșteanul vede astfel atitudinea teleormănenilor:

“Da, frate, suntem săraci, așa ne-o ardem noi pe-aicea, da’ uite la ăla ce bogat e…”

Ne place să ne speriem

– Vreau să fac ceva despre Bucureștii Noi! Că habar n-am ce-i acolo, n-am fost niciodată.

– Știi că teatrul de vară din parcul Bazilescu e bântuit? Scrie pe internet.

Și așa am pornit într-o după-masă cu Andrei să aflăm dacă are teatrul fantome sau nu. Și să exersăm: el cu scrisul, eu cu fotografia. 

Pe parcurs ne-am dat seama că subiectul e mai potrivit pentru video. A ieșit așa:

Czarny Protest în București

Update: Ca urmare a protestelor, parlamentarii polonezi au respins propunerea de interzicere a avortului în orice circumstanță cu 352 la 58.

În Polonia, prim-ministrul a înaintat un proiect de lege care propune interzicerea totală a avortului și pedeapsa cu închisoarea pentru femeile care întrerup sarcina și medicii care efectuează procedura. Polonezele au intrat în grevă generală și au ieșit în stradă în semn de protest în mai multe orașe din țară. Au fost organizate demonstrații și în alte orașe europene, în semn de solidaritate.

La București, în jur de 50 de oameni, în majoritate femei, s-au adunat la Universitate. Unii au spus că se tem că orice e posibil, când avem politicienii pe care îi avem; alții au vrut să se asigure că nu se vor repeta suferințele din timpul decretului lui Ceaușescu. Protestatarele au fost repede gonite de jandarmi în parcul de lângă spitalul Colțea, unde au făcut acest performance:

 

Damblaua

Domnul Bebe repară mobilă veche într-un atelier cu geamuri prăfuite de pe strada Viitorului, vizavi de restaurantul chinezesc. Lucrează în zonă din ’74, aici l-au repartizat comuniștii după ce a terminat școala de meștesuguri.

Am stat de vorbă cu el într-o zi de septembrie, în timp ce repara un jilț cu spătarul rupt.

Sub masa de lucru se zbătea un porumbel pe moarte, subiectul zilei în cartier. Domnu’ Bebe îl salvase din calea mașinilor. Din când în când, câte un vecin băga capul pe ușă: ce face porumbelul?

“Aici, pe strada Viitorului, am numai damblaci. Așa e și porumbelul ăsta al meu”.

 

*Filmul face parte din seria de reportaje video despre Strada Viitorului

Tanti Nuți and the Figs

It’s august, my last month of freedom. I will start school in autumn. That thought is slowly starting to creep up to me, so much so that even the worriless paradise that playing outside is, is sometimes interrupted by the dreadful image of waking up in the cold morning and then being sequestered in the classroom for five hours.

The dread is however kept at a distance by one last summer’s pleasure. The fig tree in the garden from across my building is gonna bloom soon. Every day of august I hover around it and inspect it, hoping that a miracle might happen (i.e. that the fruit get ripe faster). Eventually, I don’t have the patience to wait until it’s fully bloomed so I sneak into the garden during one afternoon, when I know the old hag from the first floor is taking a nap. She usually chases me and the other kids away.

There’s no one outside in the summer swelter at 2 in the afternoon, but I am bubbling with excitement on the inside and at the same time with fear that some adult may intervene in my mission, that I have the feeling malicious eyes are watching me from all windows.

I make my way through the dry crumbly patch of ground, carefully past the rose bushes, which could get me in a lot of trouble if I ruin them, jump under the shadowy mirabelle plum and there they are: three small fig trees, looking like gentle Beagle puppies with their huge leaves. I finger the fruit to check which one is softer, then I pick them one by one in my turned-up t-shirt. I then proceed to eating them right there on the spot, before some other kid appears from god knows where and asks me for some. In this operation my hands, my face and my clothes get gluey with the half-ripe fig’s slime. The glue then gets another layer of fabric and dust, and the more I try to brush it off, the thicker it gets. It also becomes itchy and stingy. I’m starting to feel discomfort, I need to wash my hands, but going home is not an option. My mom would probably want me to stay in, eat, get some rest, all that boring stuff.

So I turn to my partner in crime, Tanti Nuți. She is 60 something, I am 7. She lives on the ground floor of my building, I live on the 8th. The elevator can’t carry me upstairs because I don’t weigh enough, and I think that’s how our friendship started: I would always turn to her for small favors, like can I pee at your place?, or wash my hands, or drink some water. That’s how it all started, but I think we met through her son, who was friends with my parents and they would throw parties with dancing and drinking in my apartment.

Tanti Nuți wears her hair in a big bun that looks like a bee hive, she always has some jewellery on, especially earrings and necklaces, and, unlike my mom, she doesn’t seem to mind if something is disorderly or if I don’t take off my shoes when I go in the house (!). She’s got delicate hands and that cascading laughter you read about in interbellum novels with ladies of the big society. She could also swear like a sailor. Especially when she told a story and imitated a character. The stories that required swearing to better convey the atmosphere were the ones about people at the Obor market and the ones about her ex-husband.

The door to her apartment is usually half open, so I get in without knocking and call her name. The shelves of her furniture are filled with books and cosmetics, that elicit such a fascination on me that I review them every time I visit her: you have the green lipstick that actually paints your lips red, the dry mascara, the box with tens of colors to put on your eyelids, and of course, different hues of red nail polish in small bottles that make a twinkling sound when you shake them.

We talk about everything. I tell her about all the animals at the countryside, their names, their habits, how they like their food, about my grandma and about how my sister is mean to me. She lets me try on all her jewellery and tells me stories about her childhood. That time when a beautiful two-meter high wolf took her and her grandma by surprise because the summer was too hot and they wanted to sleep under the open sky. That time when her father took her walking on the promenade in Balcic and he bought her a necklace of dried figs that she ate one by one while proudly holding his hand.
A while ago nostalgia dragged me back to my old neighborhood. I wandered the empty streets with a nod of sadness in my throat because everything looked so different. I don’t know exactly what I expected, maybe to find it all the same as it was when I left at 18 years old. I saw Tanti Nuți at the window of her ground floor apartment, looking outside, just as she did when I was a kid. She smiled at me and said hi, but her eye sight was fading so it took her a few seconds to recognize me. Then I went inside, the door was half open. Her house smelled of old make-up, with a whiff of some boiling food – a bad smell for most people. But bad smells can be good.

You can read the article that was my madeleine here.

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